Homosexualität ist ein Asylgrund

Vor vier Jahren müssen O. und sein Freund aus ihrem Dorf im südlichen Teil Nigerias flüchten, da sie sich in der Öffentlichkeit als Paar gezeigt hatten. Sie landen in die Schweiz und beantragen Asyl. Die Behörden treten nicht auf ihre Gesuche ein und fordern die Beiden auf, das Land zu verlassen.

reformiert

Der Partner von O. wird ausgeschafft – zurück in seinem Dorf musste er einen Exorzismus über sich ergehen lassen und der gleichgeschlechtlichen Liebe abschwören. O. selber versteckte sich daraufhin und lebte von da an illegal in der Schweiz. Im letzten Jahr wird für O. ein neues Asylgesuch eingereicht. Wiederum lehnte das Bundesamt für Migration das Gesuch ab. Zwar zweifeln die Behörden die sexuelle Orientierung von O. nicht an, sie sei aber unwichtig, da es für O. doch möglich sei in seiner Heimat zu leben – er müsse nur seine Homosexualität “diskret” leben …

Sollte auch O. ausgeschafft werden, drohen ihm Gewalt und der Tod. So hat O.’s Vater zum Mord an seinem Sohn aufgerufen. Da wirkt die Forderung des Bundesamtes für Migration, er solle doch in seinem Heimatland “diskret” leben, wie ein Hohn.

Seit Karfreitag ist O. im Hungerstreik und wir können hoffen, dass unsere Behörden Einsicht zeigen. In einem Brief schrieb er:

Es ist nicht gut vor einer Gefahr zu flüchten, um in einer Falle zu landen. Ich bin bedroht und brauche Schutz.

Unterschreibe unterdessen doch die Petition, die die sofortige Annahme des Asylgesuches von O. verlangt.

>Immer wieder sonntags: Küssen gegen Ausschaffung

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Immer wieder Erinnerungen: Wie es Euch gefällt

20 Jahre ist es also nun her, seit ich mich zu queeren Themen äussere. Meine ersten derartigen “Ergüsse” wurde ich als Chefredaktor des ‘Ursus Insider’, der Zeitschrift des Ursus Club Bern, los …

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Front des ersten ‘Ursus Insider’ anfangs 1995

Anfangs 1995 bekam der legendäre Ursus Club an der Junkerngasse 1 in Bern ein Facelifting verpasst – und ebenfalls das Vereinsorgan bekam einen neuen Namen und das Layout wurde modernisiert und von Ludwig Zeller gestaltet. Thema des ersten ‘Ursus Insider’ war “Wie es Euch gefällt”. Ich schrieb damals im Editorial trotzig: “Ob in weissen Socken oder in Leder, ob Gruppensex zu fünft oder am Telefon zu zweit … Wie es uns gefällt, geht niemanden was an!”.

Ich trug zum Schwerpunktthema zwei Artikel bei: Ich stellte Whitesox, der Club für Socken- und Fussliebhaber vor und ich machte ein Interview mit dem Berner Callboy Mischa. Zudem berichtete ich darüber, dass 85’000 Unterschriften der Petition ‘Gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare’ der Bundeskanzlei übergeben wurden. Ich schrieb damals, dass mit der Petition nun das Parlament aufgefordert wurde, lesbischen und schwulen Paaren “grundsätzlich denselben Schutz ihrer auf Dauer angelegten Beziehungen zu ermöglichen, wie ihn heterosexuelle Paare durch Heirat erlangen können”. Und ich zitierte Yves de Matteis von Pink Cross:

Wenn die Politikerinnen und Politiker in Zukunft untätig bleiben sollten, so wird dies nicht mehr als Ignoranz geschehen, sondern als Mangel an politischem Willen.

20 Jahre später wissen wir, dass dieser “politische Willen” noch über zehn Jahr hingehalten wurde – bis nämlich am 5. Juni 2005 mit einer Abstimmung mit 58 Prozent der Stimmen die eingetragene Partnerschaft vom Volk angenommen wurde und per 1. Januar 2007 in Kraft gesetzt wurde.

>20 Jahre Queerdenker: Die Farben beige und braun sind Mode

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20 Jahre Queerdenker: Die Farben beige und braun sind Mode

Vor 20 Jahren habe ich begonnen, mich zu queeren Themen zu äussern: Ich wurde Chefredaktor des ‘numero’, der damaligen Zeitschrift des Ursus Club Bern. Grund genug, in den nächsten Wochen mit Blick auf die vergangen Jahre in Erinnerungen zu schwelgen.

numero

Die Frontseite des ‘numero’ vom Oktober 1994

Dass ich neuer Chefredaktor des ‘numero’ sei und Nachfolger von Hansjürg Wiedmer, gab im Heft vom Oktober 1994 der damalige Herausgeber des ‘numero’ bekannt: “Neuer Chefredaktor ist – ab sofort – Daniel Frey, der bereits seit einiger Zeit in der Redaktion mitarbeitet und beachtliche Beiträge schrieb. Ihm wünschen wir in diesem Amt viel Glück und Spass” … Viel Spass hatte ich mit dem Job tatsächlich – bis hin zum Untergang des Ursus Club Ende 1996.

Chefredaktor? Herausgeber? Natürlich, wir vom Ursus Club waren schliesslich Kommerzschwestern und liebten ganz offensichtlich Hierarchien – im Gegensatz zu den Politschwestern der HAB. Politisch war das ‘numero’ aber trotzdem … Hier einer meiner ersten politischen Kommentare:

Am 25. September hat das Schweizer Volk das Antirassismus-Gesetz knapp mit 55 Prozent (die Stadt Bern mit 69 Prozent) angenommen. Die Stimmbeteiligung betrug 45 Prozent (in der Stadt Bern 51 Prozent).

Fast jeder zweite Schweizer, fast jede zweite Schweizerin hat sich somit vom unsachlichen Abstimmungskampf (Fremdbestimmung durch die UNO, Überfremdung, Einschränkung der Meinungsfreiheit) der rechten Parteien beeindrucken lassen und wäre bereit gewesen, den Neonazis und anderen Rassisten einen rechtsfreien Raum zu gewähren.

Tja, die Abstimmung ist vorbei, gehen wir zur Tagesordnung über!

Um die Farben beige und braun in allen Schattierungen kommt in diesem Herbst und in diesem Winter kein Mann herum: Hosen aus braunem Cord, Jacken aus beigem Tweed, beigebraune Holzfällerhemden, schwarze Gilets. So jedenfalls schreiben es uns die Modemacher vor.

Doch wer die Farben beige und braun nicht mag, “darf” auch auf die Farben rot und grün zurückgreifen und die Klamotten der letzten Saison tragen. Aber nur, wenn es nicht anders geht.

Beängstigend wie sich in den letzten Jahren auf dem politischen Parkett nicht viel verändert hat. Geändert hat sich zum Glück Aids. Schwerpunkt im ‘numero’ vom Oktober 1994 war “Liebe Sex Aids Gewalt”. Und im Heft eine quälend lange Liste der Aids-Toten.

>Die Frontseite des ‘numero’ vom Oktober 1994 als PDF

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Immer wieder sonntags: Ratespiel

Heute ist Ostersonntag: Wir geniessen zusätzliche Freitage und veranstalten fröhliches Eiertütschen und die Christenmenschen feieren die Auferstehung Jesu Christi. Und ich erzähle euch jetzt drei Geschichten …

Geschichte 1: David Z. (Name geändert) und die Kundschaft am Arbeitsplatz

Kunde: “Wie heisst Sie denn?”
Chef: “Er heisst David”
Kunde: “Und ihr Nachname?”
Chef: “Er heisst David Z.”
Kunde: “Was es alles gibt! Tragen jetzt Frauen auch schon Namen von Jungs?”

David ist in einem weiblichen Körper geboren worden. Da sein gefühltes Geschlecht aber männlich ist, korrigiert er nun diesen Fehler der Natur.

Geschichte 2: Showtime im amerikanischen Fernsehen

Castingshows im Fernsehen sind beliebt. Da werden Sänger, Tänzer, Models zu Superstars gemacht oder Bauern suchen Frauen oder ganz selten auch Männer und Dragqueen RuPaul sucht “America’s Next Drag Superstar”. Für die Sendung hatten sich die Produzenten das Ratespiel “Female or She-male?”ausgedacht. Den KandidatInnen wurden Bildausschnitte gezeigt und sie mussten raten, ob die gezeigte Frau eine “richtige” oder “falsche” Frau sei. Dass solche Spielchen Transmenschen nicht lustig finden, kann ich irgendwie nachvollziehen. Schliesslich finde ich es auch nicht gerade witzig, wenn mir heterosexuelle Mitmenschen erklären, dass man mir mein Schwulsein ja gar nicht ansehe!

antik

Der Gott Hermaphroditos, ein antikes Zwitterwesen mit Busen und Penis, das im Museum die Frage nach der Bedeutung der Biologie für das Geschlecht stellt.

Die Produzenten von “RuPaul’s Drag Race” haben sich nach dem Vorwurf der Transphobie entschuldigt und eine Folge aus dem Verkehr gezogen.

Geschichte 3: Indien anerkennt drittes Geschlecht an

Der Oberste Gerichtshof Indiens hat beschlossen, dass in Ausweisen künftig ein drittes Geschlecht eingetragen werden darf. Das Gericht begründete den Entscheid, dass auch Transmenschen, die in Indien meist als Hijras bezeichnet werden, “gleiche Chancen” verdienten. Das Gericht hat gleichzeitig auch angeordnet, dass die Regierung Quoten für die Arbeitswelt und an Universitäten für Mitglieder des dritten Geschlechts einführen müsse.

In Indien hat das Leben zwischen den Geschlechtern eine lange Tradition – es soll unter den 1.22 Milliarden Inderinnen und Indern schätzungsweise zwei Millionen Hijras geben. Diese kleiden sich traditionell mit dem Sari und geben sich Frauennamen. Und übrigens: Letzten Dezember hat ebenfalls der Oberste Gerichtshof Indiens das Verbot der Homosexualität wieder eingeführt. Damit drohen Schwulen und Lesben nach alter britischen Kolonialgesetzgebung wieder bis zu zehn Jahren Haft.

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Ganz normal heiraten können!

In Liechtenstein wollen sich Lesben und Schwule – wieder – organisieren. Geplant ist eine Neuauflage des früheren Vereins ‚Flay‘. Dieser hatte sich nach der vor drei Jahren mit fast 70 Prozent Ja-Stimmen gewonnenen Volksabstimmung über die Einführung der eingetragenen Partnerschaft aufgelöst.

Hinter der geplanten Neugründung am 2. Mai stehen drei schwule Jungs. Ihr Ziele sind die Vernetzung von Schwulen und Lesben und die politische Arbeit. Die Einführung der eingetragenen Partnerschaft sei nur ein erster Schritt gewesen, jetzt gehe es darum “ganz normal” heiraten zu können, sagte einer der drei Jungs gegenüber dem ‘Liechtensteiner Volksblatt’. Obschon sich schon viel bewegt habe, machten Homosexuelle in Liechtenstein nämlich noch immer “widersprüchliche Erfahrungen”.

>Deutliches JA
>JA im Fürstentum Liechtenstein

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Auf in unbekannt warme Sphären!

Vor 14 Jahren in Zürich entstanden, geht der “Warme Mai” in diesem Jahr neue Wege. Von Basel bis St. Gallen, von Schaffhausen bis ins Tessin finden mehr als 60 Veranstaltungen statt.

fraulein

Weiblich? Männlich? Ein Podium über den Umgang mit der Weiblichkeit bei Transmännern und Schwulen.

KünstlerInnen und VeranstalterInnen mit lesbischem, bisexuellen, schwulen oder Trans*-Hintergrund machen Programm für Menschen, die sich den Rest des Jahres gern in ihren eigenen Szenen verlieren – und für alle anderen Neugierigen und Interessierten.

So bunt und vielfältig wie die MacherInnen sind auch die kulturellen Veranstaltungen: Neben musikalischen und theatralen Beiträgen, Kurzfilmen und Lesungen gibt es in diesem Jahr auch einen Schreibworkshop, ein lesbisches Wanderwochenende, ein Polychromes Pétanqueturnier, einen Themenabend zu “Weiblichkeit bei Schwulen und Transmännern” und “Kamillas Literaturklub”, das Warmer-Mai-Pendant zur SRF-Sendung. Das ganze Programm ist im Internet unter www.warmermai.ch zu finden.

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