Heute unvorstellbar: Vor 50 Jahren

1960 lief die Stadt-Zürcher Repression gegen Homosexuelle auf Höchsttouren. Einschlägige Bars, Toiletten-Treffpunkte und Parkanlagen wurden überfallsmässig von Mannschaften der Polizei durchkämmt, die Leute wahllos in Kastenwagen auf Hauptposten gebracht und dort registriert.

Die Zürcher Tageszeitung “Die TAT” veröffentlichte einen reinen Hetz-Artikel mit Untertitel “Zürich internationales Zentrum der Strichjungen” und nannte darin auch den KREIS, welcher “eine eigene Zeitschrift mit ‘Heiratsanzeigen’ für Homosexuelle herausgibt” und sogar in einer städtischen Liegenschaft am Neumarkt grosse Ball-Veranstaltungen durchführe, “wobei auch die Strichjungen anwesend sind.”

Das war reine Verleumdung. Der Artikel schloss mit “Die Behörden müssen handeln, bevor es zu spät ist.” Und die Behörden handelten: Sie erliessen ein Tanzverbot für das gesamte Gebiet der Stadt Zürich, das allerdings nur den KREIS betraf, und sie verlangten vom Pächter des Hauses, dass er dem KREIS kündigen müsse. Das war ein Bruch getroffener Vereinbarungen. Das bereits für den Oktober bewilligte Herbstfest 1960 musste abgesagt werden.

Mit den internationalen Bällen erwarb der KREIS die zur Herausgabe seiner dreisprachigen Zeitschrift nötigen Finanzen. Der Verlust dieser Quelle war der Anfang vom Ende. 1967 löste sich die europaweit lange einmalige und bedeutendste Organisation homosexueller Männer auf.

Wie dramatisch ungerecht man damals gegen uns Schwule vorging, ist auf schwulengeschichte.ch nachzulesen.

>Der KREIS wird verleumdet und verliert sein Lokal

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