Queer?

Queer ist ein Fremdwort aus der englischen Sprache und bezeichnet als Adjektiv Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen.

Queer denken – mein Lebensmotto seit meinem Coming-out. Und so ist auch dieser Blog überschrieben – und er ist entsprechend einseitig und parteiisch.

Als ich mit 30 mein Coming-out hatte, war ich mir sicher, dass wir nur gleichberechtigt mit unseren heterosexuellen Mitmenschen werden, wenn wir auch die gleichen Rechte haben. Grundsätzlich bin ich auch heute noch dieser Meinung.

Kann es aber das Ziel von uns Schwulen, Lesben und Transmenschen sein, so stinknormal zu werden, wie es unsere heterosexuellen Mitmenschen sind? Wollen wir wirklich wie Heteros heiraten – möglichst noch mit dem Segen Gottes – wenn wir genau wissen, dass die Hälfte aller Ehen wieder geschieden werden und damit die Ehe als Institution doch eigentlich als gescheitert betrachtet werden muss? Soll ein bürgerliches Zweierkistchen mit Hund und Katze (solange wir noch keine Kinder adoptieren können) in einem netten Eigenheim im Grünen unser Ziel sein?

Wir Lesben und Schwule sind anders und bleiben es auch. So will es das Bundesgericht. Schützt doch das höchste Gericht unseres Landes nicht UNS vor Diskriminierung, sondern die “freie Meinungsäusserung”: Homosexualität darf weiterhin als “abnormales Verhalten” bezeichnet werden. Ein Diskriminierungsschutz aufgrund der sexuellen Orientierung ist in der Gesetzgebung unseres demokratischen Landes nicht vorgesehen.

Das Bundesgericht hat uns klar in die Schranken gewiesen: Wir bleiben eine Minderheit. Unsere Liebe darf ungestraft als “abnormal” bezeichnet werden. Darf unter diesen Gesichtspunkten unsere politische Arbeit eine bürgerliche sein? Es reicht nicht, sich als Vertreter von FDP, CVP oder SVP in irgendwelche politischen Ämter wählen zu lassen und damit zeigen zu wollen, dass “das” heute möglich ist. Auch bürgerliche Politiker aus unseren Reihen müssen kämpfen, schreien, protestieren – und nicht nur mitreden wollen. Wir werden nämlich leise überhört!

Wir bleiben eine Minderheit! Denken wir daran, wenn wir das nächste Mal über andere Minderheiten – wie etwa Ausländer, Arbeitslose, IV-Bezüger oder Randständige – schimpfen. Wir lassen uns nicht gegen andere Minderheiten ausspielen.

Seien wir stolz auf unser Anderssein. Seien wir den Heteros Vorbild – und nicht umgekehrt. Betrachten wir unser Anderssein als bunte Bereicherung der heterosexuell geprägten Gesellschaft.

Queerdenker?

Ist nicht meine Erfindung, sondern die von Fabio Huwyler (quirliger Chaot und grad deshalb sehr sympathisch). Dank dafür … Und ein Dank auch an Ruben Ott für folgenden Kommentar:

Ich muss schon endlich mal noch betonen, wie sehr mir doch das “einseitig und parteiisch” auf deinem Blog gefällt!